Meinung

Medienbildung ist Demokratiekompetenz

Mainstreammedien, Lügenpresse, Fake News – die Liste der Schlagworte sind lange, die Nachrichtenmedien das Lügen unterstellen .Erst kürzlich hat H.C. Strache auf seiner Facebookseite ein an die ORF-Werbekampagne “Wie Wir” angelehntes Foto gepostet. Über dem Bild von Armin Wolf mit einem “Pinocchio”-Bild in der Hand: “Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF.” Strache hat das Bild mit dem Teaser “Satire!” und einem Smilie gepostet. Armin Wolf schreibt dazu in seinem Blog und in einem Beitrag gegenüber dem Standard von der  Klage gegen Strache.

Auch wenn Fake News wie die Headline unserer Digitalkultur scheinen – ist die veröffentlichte Lüge – oder eben auch die Bezichtigung davon – keine neue Entwicklung, das zeigt das Geschichtsbuch schnell. Hier waren es im 1500 Jahrhundert schon die Hexen – die kurz nach der Erfindung des Buchdrucks in den damaligen „Flugblättern“ diffamiert wurden – und somit ganze Dörfer spalteten. Heute sind es z.B. Verschwörungstheorein um 9/11 oder anderes. Der Feind – und der Lügner ist dabei oft das Medium.

Was sich allerdings im Vergleich der Jahrhunderte grundlegend geändert hat ist: Unser Umgang mit Fake News war nie hilfloser, die Menge der KommunikatorInnen nie größer  – und die Menge an Informationen gigantischer. Nach Schätzungen hat die Menschheit ihr Wissen von Beginn bis ins 1500 Jhd, verdoppelt, dann innerhalb von 250 Jahren, 150 Jahren verdoppelt usw.; mittlerweile verdoppelt sich die Informationsmenge alle paar Stunden. Alle paar Stunden – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – wenn es überhaupt die Zeit dafür gibt.

Das ist nicht nur beeindruckend, sondern zeigt wie anspruchsvoll unser Umgang mit News, mit Fakten – und auch der Demokratie in der Mediengeschichte geworden ist. Denn Demokratie bringt diese Vielfalt an Informationen auf die Bühne – die sich damit auch mal schnell in ein Schlachtfeld verwandeln kann.

Was viele bei der Diskussion um Fake News vergessen – und was mich oft in der Diskussion stutzig macht: Fakten und News sind nicht etwas Naturgegebenes das von uns überprüft wird – sondern das Ergebnis eines Konsenses. Das gilt für mich auch für die Wissenschaft, wo experimentell gewonnene Daten erst durch ihre Nachvollziehbarkeit für andere MitgliederInnen der scientific community zu Fakten werden.

Das alles gilt aber genauso auch für die Aufgabe von Medienkompetenz in der Demokratie: Hier hat sich ein komplexes Netz von Nachrichtenmedien entwickelt, deren Aufgabe es ist, den Menschen verlässliche, überprüfte und überprüfbare Informationen zur Verfügung zu stellen. Die Nachrichtenmedien versetzen uns dabei in die Lage, Stellung zu beziehen und politische Entscheidungen zu treffen. Und diesen Weg der Emanzipation sehe ich als das was Medienkompetenz –und Demokratie ausmacht: Wissen zu diskutieren – zu vermitteln – und vielfältig gegenüberzsutellen.

Medienkompetenz heißt Dialog

 Medien berichten oft nicht ausreichend genug. Oder nicht richtig. JournalistInnen haben manchmal den Blick aufs Wesentliche verloren, sind  zu schnell – oder zu langsam, oder zu Ungenau. Und sind  in einem Netz der Nachrichtenauswahl die Schleusenwärter unserer Zeit – die Informationen auswählen – und vieles damit auch als Nicht-Information untergeht.

Aber: Egal ob BürgerIn oder PolitikerIn – egal welches Colour – wer Nachrichtenmedien als ganzes Konzept der Lüge öffentlich bezichtigt hat weder die Aufgaben eines Staates – noch die Aufgabe der Demokratie  richtig verstanden. Ich glaube aber wenn man Medienkompetenz aber als Kernaufgabe der Demokratie begreift und fördert – dann könnte sich dadurch vielleicht wieder etwas an den Lügen ändern.

Mehr Infos und Updates zu dem Fall gibt es hier:

Blog Armin Wolf

Beitrag im Standard Etat